Archiv der Kategorie: Allgemein

Fachgespräch und Fortbildung / Schüler*innen mit hohem Unterstützungsbedarf

Am 19.03.2019 ist Frau Dr. Schlichting von der Universität Leipzig zu Gast in der Christophorus-Schule in Erfurt. Von 13:00-14:30 Uhr leitet Sie ein Fachgespräch zum Thema: „Ernährung bei Schüler*innen mit hohem Unterstützungsbedarf“. Von 15:30-16:30 Uhr wird Frau Dr. Schlichting zum Thema: „Anwendung der basalen Stimulation in Alltagssituationen“ referieren. Sowohl am Fachgespräch als auch am Vortrag können eine begrenzte Zahl an Gästen teilnehmen. Bitte bekunden Sie ihr Interesse mit einer Email an: m.degner@vds-thüringen.de

Landesausschuss 25./26. Januar 2019 in Oppurg

Vom 25. bis zum 26.01.2019 tagte der Landesausschuss in Oppurg. In intensiver Diskussion wurde die Stellungnahme des vds-LV Thüringen e. V. zum Schulgesetz erarbeitet. Weitere Themen waren die Planung von Fachtagungen im Jahre 2019, die Vorbereitung des Sonderpädagogischen Kongresses in Weimar sowie der Förderpreis des vds-Landesverband Thüringen e. V., der 2020 erstmalig vergeben wird. Nähere Informationen folgen in Kürze auf dieser Seite.

Neue Postanschrift der Bundesgeschäftsstelle

Bitte beachten Sie: Ab dem 25.10.2018 lautet die Postanschrift der Bundesgeschäftsstelle des Verbands Sonderpädagogik e. V.:
Hans-Sachs-Weg 18, 97082 Würzburg.
Sie erreichen uns unter folgenden Telefonnummern:

Beate Lesch+49-931 24 020
Eunike Strößner+49-931 200 823 88
Christa Härter+49-931 200 823 90
Fax+49-931 24 023

Rückblick auf das vds-Landesreferententreffen Förderschwerpunkt Sehen 2018

08. – 10.03.2018 im Berufsbildungswerk für Blinde und Sehbehinderte Chemnitz

Das diesjährige Landereferententreffen Förderschwerpunkt Sehen, an dem Vertreter aus Berlin, Brandenburg, Bremen, Niedersachsen, dem Saarland und ich aus Thüringen teilnahmen, nutzte die Gelegenheit des Tagungsortes zur Information über das BBW Chemnitz.

Dieses bietet spezielle Ausbildungs- und begleitende Angebote für Jugendliche mit Seheinschränkung und/oder psychischer Behinderung. Die Ausbildung erfolgt in modern ausgestatteten Räumen unter Gebrauch neuester Technik, die den Bedarfen von sehbehinderten und blinden Menschen entsprechen.

Die Ausbildung, in anerkannten Berufen nach dem Berufsbildungsgesetz, endet jeweils mit einer Abschlussprüfung vor dem zuständigen Prüfungsgremium (Handwerkskammer, Industrie- und Handelskammer, Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft, Geologie). Der Ausbildungsprozess wird durch individuelle Förderung unterstützt und erfolgt in kleinen Gruppen.

Voraussetzungen für eine Ausbildung können durch Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen (BvB), Blindentechnische Grundausbildung (BtG) oder ein Berufsvorbereitendes Jahr (BVJ) geschaffen werden.

Unsere kleine Gruppe wurde sehr gastfreundlich aufgenommen und konnte z. B. das von den Lehrlingen bereitetet Essen genießen.

In den einzelnen Arbeitsphasen beschäftigten wir uns unter anderem mit:

  • der Vorbereitung des vds-Kongresses 2019 in Weimar, bei dem es einen Workshop-Strang (6 Angebote) zum Förderschwerpunkt Sehen geben soll.
  • der fachspezifischen Ausbildung im Bereich Sehen an den Universitäten in Dortmund, Berlin und dem neu zu bildenden Lehrstuhl in Würzburg.
  • der Aktualisierung der vds-Standards der sonderpädagogischen Förderung, Förderschwerpunkt Sehen.
  • den Entwicklungen in den einzelnen Bundesländern.

Da die Landesreferentinnen und Referenten von der Präsenz des Förderschwerpunktes Sehen auf dem vds-Kongress vom 09. bis 11.05.2019 in Weimar sehr angetan sind, wurde zusätzlich beschlossen, dass im ansässigen überregionalen Förderzentrum Sehen, Diesterwegschule Weimar, ein Freitag-Abend-Angebot für Kongressteilnehmer unterbreitet werden sollte. Das Thema könnte „Cocktails als sehbehinderter oder blinder Mensch mixen und genießen – eine Selbsterfahrung mit Simulationsbrille oder unter der Augenbinde“ sein. Das Kollegium der Diesterwegschule freut sich auf interessierte Gäste.

Angelika Türpe
vds-Landesreferentin Sehen in Thüringen

Rückblick auf das vds-Landesreferententreffen Geistige Entwicklung 2016

Entwicklung der Schülerschaft

In fast allen Bundesländern stieg die Anzahl der Schülerinnen und Schüler mit Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung überproportional stark zur Einwohnerzahl an. Von 1990 bis 2015 stieg die Förderrate von 0,6% auf 1,1% der gesamten Schülerschaft. In Thüringen sind es sogar 1,8% (2013). Die Gründe können nur ansatzweise erhellt werden. Sowohl aus der Studie von E. Grüning (Heilpädagogische Forschung Band 40, Heft 3, 2014) als auch aus einer Erhebung aus Bayern von Dworschak (2012) wird deutlich, dass die Anzahl der Familien mit Kindern mit Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung mit einem niedrigen sozialen Status signifikant höher ist als bei Familien mit Kindern ohne Förderbedarf (in Schleswig-Holstein liegt der Anteil an der Gesamtschülerschaft mit Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung laut der Studie von Grüning bei ca. 70%, in Bayern laut Dworschak et al., 2012 bei ca. 40 %). Erfahrungswerte in Thüringen zeigen, dass dies hier ebenso zutrifft. Als Konsequenz aus den Ergebnissen der Studie wird u.a. festgehalten, dass sich Elternarbeit insgesamt mehr am sozialen Status der Familie ausrichten muss als es vermutlich vielerorts bisher der Fall ist.

Inklusion

Inklusive Maßnahmen, in denen einzelne Schülerinnen und Schüler mit Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung beschult werden, stellen oft eine besondere Herausforderung für alle Beteiligten dar. Besonders die Schülerinnen und Schüler mit diesem Förderbedarf werden durch ungeeignete Rahmenbedingungen schwer belastet. Nicht selten münden sie in einer Rückführung der Schülerin/ des Schülers in eine Schulen bzw. ein Förderzentren mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung. Dies Phänomen wird in mehreren Bundesländern und bei uns beobachtet.

Inklusion kann unter entsprechenden Voraussetzungen gelingen:
Positionspapier der GE-Referenten zur „Inklusiven Bildung für Menschen mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung“

  • Die Chance auf Bildung in/ mit der eigenen Peergroup ist vorrangig für jegliche
    Bildungsprozesse anzusehen. Zur positiven Weiterentwicklung des Selbstkonzepts beinhaltet inklusive Bildung für Menschen mit FSGE die Chance zu sozialen Kontakten untereinander. Eine sogenannte wohnortnahe inklusive Beschulung ist demzufolge als nachrangig zu betrachten.
  • Menschen mit FSGE müssen an allen Bildungsorten gleichberechtigte Chancen auf echte Beteiligung erfahren. Dazu müssen die Beteiligungsprozesse sowohl auf Gruppen- als auch auf Institutionsebene ritualisiert sein.
  • Die Vermittlung von fachrichtungsspezifischen Bildungsinhalten ist für eine umfassende Bildung von Menschen mit FSGE an allen Bildungsorten unabdingbar.
  • Für Schülerinnen und Schüler in einer inklusiven Schule gibt es Personal, das fachrichtungsspezifisch angemessen qualifiziert ist, über permanente Fortbildung verfügt und im ausreichenden Maße über interne und externe Formen der Beratung zurückgreifen kann
  • Inklusive Bildung für Menschen mit FSGE im Rahmen von allen Schularten ist qualifiziert begleitet durch ein zuständiges Beratungs-/ Kompetenzzentrum (z.B. Förderzentrum oder auch Zentren für unterstützte Pädagogik etc.) welches die unabdingbare fachrichtungsspezifische Unterstützungs- und Vernetzungsarbeit leistet
  • Die Tätigkeit der Lehrkräfte an den Schulen wird unterstützt durch weitere an der Schule angegliederte (Schulbegleiter usw.) und extern arbeitende Menschen unterschiedlicher Profession. Eine Koordination erfolgt im Sinne eines Case-Managements
  • Schulen tauschen sich im Rahmen regionaler Netzwerke im Sinne eines Kompetenztransfers untereinander aus.
  • Im Rahmen inklusiver Bildung werden bedarfsorientierte spezielle Angebote für Menschen mit FSGE vorgehalten.
  • Für inklusive Bildungssituationen verfügt die jeweilige Schule über eine umfassende sächliche Ausstattung.
  • Inklusive Bildung für Menschen mit FSGE bedarf diverser zusätzlicher Räumlichkeiten zum einen zur Differenzierung und zum anderen für basale Lernangebote oder auch unterrichtsimmanente Förder- und Therapieangebote.
  • In den Lehrplänen aller Schularten sind sowohl in allen Fachbereichen entsprechende basale Angebote als auch die Entwicklungsbereiche differenziert verankert.
  • Unterricht im Rahmen inklusiver Bildung ist subjektzentriert und stellt den Auf- und Ausbau eines positiven Selbstkonzepts in den Mittelpunkt
  • Kompetenzorientierte Förderung basiert grundsätzlich auf fachrichtungsspezifisch fundierter lernprozessbegleitender Diagnostik
  • Ein inklusives Bildungsangebot für Menschen mit FSGE beinhaltet, dass alle Übergänge von der einen Einrichtung in die nächstfolgende angemessen organisiert und begleitet werden.
  • Für inklusive Bildungsangebote sind notwendige Unterstützerkreise mit unterschiedlichen Aufgaben bereitgestellt bzw. organisiert
  • Die notwendigen Ressourcen für Veränderungen hin zu mehr inklusiver Bildung müssen zur Verfügung stehen.

Weitere Schwerpunkte der Referentenberatungen 2015/2016

Die folgenden Themen werden nur kurz umrissen, zeigen aber, welche aktuellen Herausforderungen die Schulen GE bewegen.

In mehreren Bundesländern und in Thüringen kommt es zunehmend zu personellen Engpässen bei der Versorgung mit Sonderschullehrkräften. Dies ist bei den eher steigenden Aufgaben wie der Inklusion nicht hinnehmbar.

Vielerorts werden Formen von Kooperation als Möglichkeit zur inklusiven Bildung von Menschen mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung angedacht bzw. umgesetzt.
Nach einer Phase der „lupenreinen Inklusion“ könnte das auch bei uns schon erfolgreich ausprobierte Modell von Kooperationsklassen in Grund- und Regelschulen neu bedacht werden.

Überlegungen und Demonstrationen zu Standards und Indikatoren für den Einsatz von Tablets bewiesen, wie diese Medienart den Unterricht bereichern kann und die Schüler unserer Schulart hochmotiviert sind. Die Programme und die Handhabung von“ iPads“ (Apple) erweisen sich dabei als didaktischer Vorteil. Zu erwähnen ist jedoch, dass in Deutschland die Einsicht der Schulträger, Tablets als „normales“ Lehrmittel anzuschaffen, gering entwickelt ist.

Vermehrt wird von anderen Bundesländern berichtet, dass Schüler mit „intensivem sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf“ durch das zeitweise oder längere Ruhen der Schulpflicht keine fachgerechte Förderung erfahren. Von Thüringen sind bisher erfreulicher Weise keine vermehrten Fälle bekannt. Oder ?

Hinweise, dass immer wieder ausschließlich Assistenzkräfte diese Schülerklientel im ganzen Schultag betreuen, ist eine Gefahr, die es zu vermeiden gilt. Der Bildungsanspruch auch dieser besonderen Schülerschaft muss von geeigneten Fachkräften verantwortet werden.

Von Interesse dürfte auch die Thematik des „historischen Forums“ auf dem Sonderpädagogischen Kongress 2016 in Weimar sein, das sich mit der Auseinandersetzung um die Rolle der Sonderpädagogik im dritten Reich befasste.

Bisher gibt es kaum Erkenntnisse, wie in Thüringen das „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ und die „Euthanasie-Aktion“ für Menschen mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung angewandt wurden und ob Sonderschul- lehrer dabei tätig waren. Jüngst wurden erst im Erfurter Gesundheitsamt Akten dazu gefunden, die in einem zugemauerten Raum lagen.

Hubert Nekola
Referent Förderschwerpunkt
Geistige Entwicklung